
Selbstversorgung bedeutet, etwas wiederzuentdecken, das für unsere Vorfahren selbstverständlich war.
Schon die ersten Menschen bauten eigenes Gemüse an, hielten Tiere und tauschten Waren mit ihren Nachbarn. Erst mit der Industrialisierung hat sich das geändert. Heute werden Lebensmittel von Konzernen aufbereitet und oft stark verarbeitet. Ist das ein Grund, warum gewisse Zivilisationskrankheiten zunehmen? Viele Kinder – und zunehmend auch Erwachsene – wissen nicht mehr, wie Kohl oder Salat im Anfangsstadium aussehen. Sie kennen nur das perfekte Endprodukt aus dem Supermarkt.
Wir sind es gewohnt, alles jederzeit kaufen zu können. Fehlt etwas, ist der nächste Laden oft nicht weit. Das macht uns bequem – und täuscht Unabhängigkeit vor. Unabhängig voneinander und scheinbar unabhängig von Gott. Wozu brauchen wir Gott, wenn doch alles stets verfügbar ist? Natürlich dürfen wir dankbar sein für die Fülle in unseren Einkaufsläden. Und doch zeigt uns die Selbstversorgung etwas von der gesunden Abhängigkeit gegenüber unserem Schöpfer, sei es beim Wetter oder beim Wachstum. Der Mensch kann vieles, aber Gemüse wachsen lassen kann er nicht.
Heisst Selbstversorgung, völlig unabhängig zu leben? Nein, es gilt nicht «Alles oder nichts». Schon mit ein paar Kräutern auf dem Balkon kann man im Winter eigenen Tee oder selbst gemachtes Oxymel, einen Sauerhonig zur Vorbeugung von Erkältungen, herstellen. Vom reinen Konsumenten zum Erzeuger eigener Produkte – das entspricht dem Wesen Gottes, der selbst der grösste Schöpfer ist. Er stellte Adam in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewahre. Das war keine Strafe, sondern eine sinnvolle und erfüllende Aufgabe. Pflanzen ziehen, Tiere versorgen und Nahrung ernten gehört zu unserem Menschsein. Wer sät, pflegt und erntet, erlebt die Schöpfung ganz praktisch und darf Freude daran haben. Dankbarkeit und Wertschätzung wachsen mit jeder Pflanze, die man selbst ausgesät hat. Wenn man zuschauen kann, wie aus einem winzigen Samen eine Pflanze wird, die Monate später Früchte trägt, dann wirft man Lebensmittel nicht mehr leichtfertig weg.
Eigenes Gemüse zu ziehen bringt frische Luft, Bewegung, Sonnenschein und weniger Chemikalien. Tomaten aus dem eigenen Garten sind garantiert sonnengereift und ausserdem bio. Versuchen Sie es selbst, und sie werden feststellen, wie sich Ihr Blick auf die Lebensmittel und die Arbeit, die damit verbunden ist, verändert. Es führt zur Dankbarkeit gegenüber Gott, unserem Schöpfer. Das ist das Wertvollste.
Artikel aus ethos 01/2026